14. Etappe:  Parque Patagonia 

Streckenlänge:  82,3 km 

Davon auf dem Wasser: 0 km

Daten: 12.03.- 15.03.22

Besonderheiten: unverschämtes Glück, Gletscherquerung und ein Abschiedsgeschenk

Es ist 21:51 Uhr und ich bin gerade erst in mein Zelt geschlüpft. Normalerweise schlafen wir um diese Uhrzeit bereits tief und fest, aber heute ist nichts normal. Meine Beine fühlen sich nach 38 harten Wanderkilometern an wie Pudding, doch das mir ist das völlig gleich. Ich schwebe wie auf Wolke sieben.


Seit fast fünf Monaten bewege ich mich leise durch die Landschaften und halte stets Ausschau nach Wildtieren. Es war immer mein Wunsch, einen Puma in freier Wildbahn zu sichten. Heute, an meinem allerletzten Abend in der Natur, ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen. Danke liebes Patagonien, für dieses wundervolle Abschiedsgeschenk.


Mein erster Vortrag in der Gemeindeschule in Villa O‘Higgins ist ein voller Erfolg. Ursprünglich wollte ich mit zwei Klassen über meine Erfahrungen sprechen, am Ende ist über den Vormittag verteilt die ganze Schule anwesend. Anscheinend hat sich die Nachricht von den verrückten Deutschen mit dem aufblasbaren Kayak rasch herumgesprochen. Ohne Jonas' Hilfe beim Bedienen der Technik wäre es schwierig geworden.


Das Leuchten in den Augen der Kinder, wenn ich die Aufnahmen meiner GoPro über die Leinwand laufen lasse, ist einfach zauberhaft. Die Schüler stellen interessiert Rückfragen zu Deutschland, unserer Route und auch zur Ausrüstung. Ich werde nicht müde zu betonen, dass Patagonien der für mich schönste Landstrich unserer Erde ist und was es beim Wildcampieren Wichtiges zu beachten gilt. 


Gestärkt versuchen wir später am Tag unser Glück beim Trampen. Wir wollen Villa O‘Higgins Richtung Norden (Cochrane) verlassen, da leider keine Zeit für eine weitere Tour bleibt. Traurig machen wir noch ein Abschiedsbild. Am Ortsausgang entdecken wir an der Tankstelle den Guide unserer Bootsfahrt zum Glaciar O’Higgins. Er winkt uns freundlich zu.


Pascual Díaz ist ein erfahrener Bergführer und hat sich auf Expeditionen im südpatagonischen Eisfeld spezialisiert, wie er uns wenig später im Auto berichtet. Die Landschaft rast nur so am Fenster vorbei, während Pascual versucht, nur jedes zweite Schlagloch mitzunehmen. Aus den Boxen donnert ein experimenteller Mix unterschiedlichster Musikrichtungen. Zwei Stunden später rollen wir als letztes Auto des Tages auf die Fähre. Was für ein Glück wir wieder hatten! Aber das ist erst der Anfang.


Pascual ist unterwegs nach Maullín Grande, was hinter unserem eigentlichen Ziel Cochrane liegt. Wenn wir möchten, könne er uns auch gleich dorthin mitnehmen. Es gäbe auch eine Verbindung (nicht zu verwechseln mit einem Weg) über die Berge nach Cochrane. Zwar müsse man dafür einen vergletscherten Pass queren, aber das sei gefahrlos möglich…


Wir sind hellwach und rechnen akribisch die verbleibenden Tage bis zum nächsten Vortrag aus. Es könnte gerade so irgendwie klappen, denn laut Pascual ist die Strecke in nur drei bis vier Tagen zu bewältigen. Die Entscheidung fällt im Bruchteil einer Sekunde. Nach weiteren sieben Fahrstunden erreichen wir völlig übernächtigt Maullín Grande.


Der erste Tag ist einfach. Wir folgen dem Verlauf des Tals und schlagen gegen Abend die Zelte in einem Wald auf, dessen Bäume festlich mit dem „Barba del Viejo“ (Bart des alten Mannes) geschmückt sind. Ein paar lustige Bilder mit den grünen Flechten können wir uns nicht verkneifen.


Das mit Kies und Geröll überzogene Flussbett führt uns tags darauf in Richtung Pass. Als der Fluss in einem Wasserfall verschwindet, schlagen wir uns durch die Büsche. Die Berge sind flankiert von Gletscherzungen und schroffen Felsen. Gegen Mittag betreten wir mit schweren Beinen das Gletschereis des Passes und trauen unseren Augen kaum:


Nur wenige Meter entfernt erheben sich gewaltige, dunkelblaue Eisblöcke, die sich von den Gipfelspitzen bis hinab in die Talsohle ergießen. Mehrere milchig graue Schmelzseen schillern im Sonnenlicht. Vorsichtig setzen wir einen Fuß vor den Anderen. Das mit Steinen übersäte Eis bietet uns dabei einen guten Halt. Wir passieren mehrere rundgeschliffene Felsen, die vermutlich erst diesen Sommer vom Gletscher freigelegt wurden und haben kurz darauf freien Blick in ein weitläufiges Tal.


Der Abstieg wird steil. Wir suchen halb rutschend und halb bremsend nach der sicheren Linie. Endlich am Hangfuß angekommen, kämpfen wir uns noch zwei Kilometer entlang des Steilufers einer Laguna, bis wir ziemlich entkräftet flaches Terrain betreten. Zur Stärkung trinken wir mehrere Shakes harina tostada (geröstetes Weizenmehl) mit Zucker und Gletscherwasser.


Die Zeit drängt. In zwei Tagen müssen wir spätestens in Cochrane sein, um am folgenden Morgen den Bus nach Coyhaique zu erwischen. Wie immer klingelt uns der Wecker um 6:30 Uhr aus dem Schlaf. Im Schein der Kopflampen bauen wir zügig die Zelte ab und löffeln unseren Brei, bestehend aus Haferflocken, Nüssen und Milchpulver. 


Wir erreichen dankbar einen Wanderweg und schreiten beschwingt aus. Gegen 17 Uhr biegen wir in einen Feldweg ein. 32 Kilometer sind bereits absolviert, aber das reicht nicht. Laut GPS Gerät müssen wir dem Feldweg für 26km folgen, bevor uns ein weiterer Wanderweg über einen 1300m hohen Pass führt…

Wie um alles in der Welt hat dieser Gaucho die Strecke in nur drei Tagen gemeistert??? 


Nachdem wir bereits eine Stunde auf dem Feldweg unterwegs sind, hören wir hinter uns ein Motorengeräusch. Sofort fliegen die Daumen in den Wind. Unter normalen Umständen würde das gegen mein Grundprinzip “connected footsteps” verstoßen, aber da es sich um eine Extraetappe handelt und ich keinesfalls den nächsten Vortrag verpassen will, müssen wir eine Ausnahme machen.


David und Angela machen uns freundlicherweise die Rückbank frei. Die beiden US-Amerikaner sind in ihren Flitterwochen und leben quasi im Mietfahrzeug. David ist von meiner Tour total begeistert, da er selbst als Bergführer im Yosemite Nationalpark arbeitet. Falls ich vorhätte, meine Wanderung auf Nordamerika auszudehnen, solle ich mich unbedingt bei ihm melden. Mit einem Bier in der Hand verabschieden wir uns lachend von den beiden.


Die Sonne steht jetzt bereits tief über dem Horizont und taucht die steppenartige Landschaft in ein warmes Licht. Um die bilderbuchartige Szene perfekt zu machen, stolzieren mehrer Guanacos (Unterart vom Lama) direkt an uns vorbei und lassen sich bereitwillig fotografieren. Wir erreichen den Campingplatz „Westwind“ im Nationalpark „Patagonia“. Hier gibt es sogar Duschen! Als ich mich wieder angekleidet habe und das Waschhäuschen verlasse, fällt mir eine Menschentraube mit Ferngläsern ins Auge. Sofort beschleunige ich meine Schritte.


Keine 100 Meter von uns entfernt sitzt ein ausgewachsener Puma im hüfthohen Gras. Einfach so. Ich kann es nicht fassen! Da laufe ich hunderte Kilometer durch menschenleere Regionen, ohne die scheue Riesenkatze zu Gesicht zu bekommen und dieses Prachtexemplar sitzt direkt am Campingplatz. Unsere Anwesenheit scheint dem Tier völlig gleich zu sein. Durch ein Fernglas beobachte ich fasziniert, wie sich der Puma die Pfote leckt, um dann gemächlichen Schrittes im Unterholz zu verschwinden.


Pumas sind für den Menschen ungefährlich. Ein ausgewachsenes Exemplar kann bis zu 72 kg schwer werden und beansprucht als Einzelgänger ein Gebiet von 50 - 1000 km² für sich. Um Beute zu machen, sprinten die Katzen bis zu 72km/h schnell und können unglaubliche 5,5m hochspringen (Quelle: Wikipedia). Das ist der Weltrekord! Ich würde sehr gern die Gedanken dieses Pumas lesen, wenn er zum ersten Mal eine Hauskatze erblickt.


Neben mir hat ein Franzose ein paar Fotos schießen können. Dankenswerter Weise sendet er sie mir ein paar Tage später. Als ich Jonas von den Ereignissen berichte, schnappt sich dieser sofort seine Kamera und begibt sich auf die Suche nach dem Kätzlein. Leider vergebens. Wahrscheinlich ist sie heute nicht in Kuschellaune.


Am Folgetag erreichen wir mühelos Cochrane und auch die Rückfahrt mit Bussen und einer Fähre nach Puerto Varas verläuft reibungslos (3 Tage). Auf zu den nächsten Vorträgen!

Vortrag in der Gemeindeschule in Villa O’Higgins.

Wie navigiert man mit einem GPS Gerät?

Traurig verlassen wir das Dorf.

Dank Pascual Díaz bessert sich unsere Laune sehr schnell.


Auf gehts in die Zusatzetappe!

El barba del viejo (Bart des alten Mannes)

Unser Nachtlager.

Es geht in Richtung Pass.

Wir haben es geschafft!

Gletschereis unter unseren Füßen.

Ein Blick in das nachfolgende Tal.

Endlich erreichen wir wieder flaches Terrain.

35 Kilometer sind nicht genug…

David und Angela helfen uns!

Ein Guanko genießt die letzten Sonnenstrahlen des Tages.

Mein Puma 🙏

Wir verabschieden uns vom Parque Patagonia.

13. Etappe:  Península la Florida (Villa O’Higgins)

Streckenlänge: 72 km 

Davon auf dem Wasser: 0 km

Daten: 06.03.- 09.03.22

Leise und rhythmisch prasselt der Regen auf mein Zeltdach. Es ist ein Geräusch, dem wohl jeder Outdoorbegeisterte gern lauscht. Heute wäre mir persönlich jedoch Sonnenschein lieber, weil unser Aufbruch kurz bevorsteht. Ich bin ungewöhnlich introvertiert, vermutlich da ich Patagonien bald schon wieder verlassen muss…


Aufgrund des schlechten Wetters hingen wir vier lange Tage im Hostel „El Mosco“ fest. Zum Glück war dieses sehr gemütlich, wozu auch die Sauna beigetragen hat. Zudem trifft man hier, am Ende der Welt, immer auf Menschen mit interessanten Geschichten. Einer davon ist Martin aus Tschechien.


Martin lebt bereits seit fünf Jahren in Villa O‘Higgins und arbeitet im Hostel. Mit seiner ruhigen und aufmerksamen Art entschleunigt er mich sofort. Was er über sein Leben und die Gäste berichtet, erstaunt mich: „Viele junge Backpacker sind enttäuscht, wenn sie bei uns sind“. Ich hake nach. „Nun ja, die meisten Touristen haben all diese großartigen Instagrambilder von O’Higgins im Kopf. Die Erwartungshaltung vorab ist einfach riesig und die Zeit meistens knapp, weil die Reise genau durchgetaktet ist. Doch hier regnet und windet es oft tagelang. Das Boot zum Gletscher kann dann nicht ablegen und der Bus fährt auch nur 3 Mal pro Woche. Also sitzen die Leute den ganzen Tag im Aufenthaltsraum und lenken sich mit dem Smartphone ab. Sie meinen, dass es hier nichts zu sehen gibt. Kaum jemand geht ins Dorf und sucht Kontakt zu Einheimischen“.


Das Gespräch geht mir nicht mehr aus dem Kopf und ich ertappe mich dabei, wie auch ich das schlechte Wetter „sinnvoll nutze“ um Dinge „abzuhaken“. Auch die anderen Gäste sehe ich mit anderen Augen. Wir scheinen tatsächlich die einzigen zu sein, die ohne Reservierung eingetroffen sind. Die Leute kochen Nudeln, telefonieren mit der Familie und schauen fern.


Warum reisen wir überhaupt? Was macht eine Reise unvergesslich und wie können wir als Persönlichkeit durch die auf der Reise gesammelten Erfahrungen wachsen?


Mir fällt ein Podcast ein, in dem Erik Lorenz dem Reiseschriftsteller Ilija Trojanow eben diese Fragen stellt. Seine Antworten und Sichtweisen sind verblüffend, weshalb ich die Folge und das Buch „Gebrauchsanweisung fürs Reisen“ wärmstes weiterempfehle: https://open.spotify.com/episode/46Ll93SHvyPyKuNJ0GR96O?dl_branch=1&si=WQC4uq6TSn2FrDHBXb9F_g


Zurück zur Etappe. Wir befinden uns auf der Península (Halbinsel) la Florida. Mithilfe des GPS-Gerätes suchen wir einen Weg durch das teils dichte Gestrüpp und über die von Gletschern rund geschliffenen Felsen. Da sich Martin unserer kleinen Expedition spontan angeschlossen hat, sind wir sogar zu dritt. Die Aussicht auf den Lago O’Higgins mit seinem türkisblauem Gletscherwasser ist grandios. Wäre die Grenze nach Argentinien nicht geschlossen, wäre ich vielleicht genau in diesem Augenblick auf dem See…


Um meinem Ziel dennoch so nah wie möglich zu kommen, haben wir eine Bootstour zum Gletscher O’Higgins gebucht und den Captain überredet, uns mitten im Nirgendwo, also auf eben jener Halbinsel abzusetzen. Die Bootsfahrt entlang der haushohen Eisberge war grandios. Wie alle Touristen bekommen wir zum Höhepunkt des Tages ein Glas Whiskey mit Gletschereis in die Hand gedrückt. Stoßen wir gerade echt darauf an, dass die Menschheit diesem schwindenden Eisriesen in naher Zukunft den Gar ausmacht?


Es soll eine unterhaltsame und kalte Tour über eine Halbinsel werden, die wohl nur einheimische Gauchos zu Gesicht bekommen. Eigentlich ist meine Reise auch hiermit beendet. Aber auch nur eigentlich…

Fahrt zum Glaciar O‘Higgins

Auf den Klimawandel! 

Der erste Anstieg bringt Jonas und Martin zum Schwitzen. Ich merke noch nichts.

Mit seinen 836m ist der Lago O‘Higgins der tiefste See Amerikas.

85% seines Wassers wird aus Gletschern gespeist, was die türkisgraue Farbe erklärt.

Wir biegen ins Gebirge ab.

Wo uns zahlreiche Flussquerungen erwarten.

Die Wege entstehen durch Viehtrieb, nicht durch Wanderer.

Fast geschafft. In der Ferne taucht Villa O‘Higgins auf. Die Sauna ruft!

12. Etappe:  Cochrane - Villa O’Higgens

Streckenlänge: 233,1 km 

Davon auf dem Wasser: 75,8 km

Daten: 20.02.-01.03.22

Besonderheiten: Eisberge, Flussquerungen, Wintereinbruch

Wie kann ich das, was wir in den letzten 10 Tagen Wildnis alles erlebt haben, sinnvoll zusammenfassen?


Ist es erwähnenswert, dass Jonas ein Nahrungsdepot angelegt hat, während ich 50 km den Río Baker heruntergepaddelt bin? Ich würde sehr gern die Geschichte einer alten Frau erzählen, die allein in den Bergen Patagoniens lebt. Außerdem könnte ich von Jonas seinem Wespenstich berichten, der heftig angeschwollen ist und von sympathischen Einheimischen behandelt wurde. Der Gletscher Desplaye im entlegenen Tal Valle de los Ñadis muss auf jeden Fall Erwähnung finden! Schließlich sind wir gemeinsam mit meiner Wespa (Kosename meines Packrafts) bis zur Gletscherfront vorgefahren (und dort musste Jonas vor der Flutwelle flüchten, die ein haushoher Eisblock des Gletschers ausgelöst hat). Navigationsprobleme, schwierige Flussquerungen, grandiose Sonnenaufgänge, Begegnungen mit Siedlern, der Wetterumschwung mit Sturm und Schnee…


Ich kann dieser ereignisreichen Etappe keinesfalls mit einem knappen Bericht gerecht werden. Vielleicht setze ich mich eines schönen Tages mit einer Tasse Tee an den Laptop, reflektiere die Reise und schreibe ein Buch.

Aber natürlich gibt es wie gewohnt ein paar schöne Bilder. Bitte genießt diese ganz besonders, denn ich musste, um sie überhaupt hochzuladen zu können, eine Nachtschicht einlegen (seeehr schlechtes Internet).

Start auf dem Río Baker.

Nach der Flussfahrt treffe wieder auf Jonas.

Weiter geht es auf dem Landweg.

Drache?

Riesenkrake!

Und eine Katze ♥️

Unsere erste Nacht im entlegenenValle de los Ñadis.

Mehrmals furten wir durch den Río de los Ñadis.

Wir sind auf der ständigen Suche nach einem Weg.

Pause.

Infolge eines Wespenstiches ist Jonas sein Unterarm heftig angeschwollen.

Freundliche Einheimische (Familie Caucamán) behandeln ihn.

Wir steigen weiter auf.

Überall sind Gletscher zu sehen.

El Cóndor.

Abendbrot am Lago Desplaye.

Auf gehts zum Gletscher!

El Glaciar Desplaye.

Immer wieder brechen riesige Eisblöcke ab.

El Lago Alegre. Jonas muss zu Fuß weitergehen.

Sturm und Regen ziehen auf.

Wir finden Zuflucht in einem Refugio.

Während draußen der Wind heult, haben wir es rauchig warm.

Die letzten Meter der Etappe sind eher kühl.

Das war’s 😉

11. Etappe: Río Tranquillo - Cochrane

Streckenlänge: 115 km 

Davon auf dem Wasser: 77,8 km

Daten: 13.02.-18.02.22

Besonderheiten: Sturmasyl und Wildwasser

Immer wenn ich Chilenen von meinem Plan berichte, den Lago General Carrera mit meinem Packraft zu befahren, folgt die selbe Reaktion. Ob ich nicht wisse, dass Douglas Tomkins, auf eben diesem See im Kajak kenterte und in Folge von Unterkühlung starb? Natürlich weiß ich das. Douglas Tomkins ist in Patagonien so etwas wie eine Legende.


Als Begründer der Marken „The North Face“ und „Esprit“ wurde Tomkins Millionär. Gemeinsam mit seiner Frau Kristine Tomkins kauften sie in Patagonien riesige Landflächen (ca. halb Mecklemburg Vorpommern), machten aus ihnen Nationalparks und schenken sie dem chilenischen Staat. Die Tomkins Conservation Stiftung setzt sich zudem in Patagonien aktiv für die Auswilderung vom Aussterben bedrohter Arten (wie z.B. dem Puma) ein.


Anders als Douglas jedoch, trage ich bei schlechtem Wetter einen Trockenanzug und paddle stets in Küstennähe, was mein Risiko erheblich minimiert. Heute brauche ich den Anzug allerdings nicht. Die warmen Sonnenstrahlen bringen das türkisblaue Wasser zum leuchten und sorgen erneut für ein atemberaubendes Lichterspiel in den Marmorhöhlen. 


Leider dreht tags darauf der Wind und ich kämpfe mich im Schneckentempo von Bucht zu Bucht. Genervt muss ich am nächsten Sandstrand anlegen und entdecke zu meiner Überraschung ein vertäutes Boot. Anscheinend befinde ich mich auf einem Privatgrundstück. Kurz darauf stehe ich vor einem imposanten Holzhaus mit großzügigen Fenstern. Drinnen kann ich mehrere Personen im feinen Zwirn am Mittagstisch ausmachen. Es bahnt sich meine erste Begegnung mit der reichen chilenischen Oberschicht an.


Eine halbe Stunde später sitze ich zwischen der Familie und deren Freunden aus Santiago am Esstisch. Es gibt gemischten Quinoasalt und Fisch, dazu ein Glas Rotwein. Auf akzentfreiem Englisch berichtet mir der Hausherr Antonio Schneider von seinen deutschen Wurzeln. Sein Vater Hans hätte 1936 vor den Nazis fliehen müssen, da er Jude ist. Als Fotograf machte er später in China Karriere. Stolz präsentiert mir Antonio ein Foto, auf dem sein Vater gemeinsam mit Mao abgelichtet ist. Hans Schneider ist mittlerweile fast 100 Jahre alt und lebt in Australien.


Am Nachmittag machen wir einen Spaziergang über sein Grundstück, welches sich bis zum Horizont erstreckt. Als wir ein freies Feld erreichen, ruft Antonio seine Kinder Sara und Claudio zu sich und setzt zu einer Rede an. „Douglas Tomkins und Yvon Chouinard standen vor vielen Jahren dort, wo wir jetzt auch stehen.“ Antonio macht eine kurze Pause und deutet in die Ferne. „Sie betrachteten die markanten Gipfel der Berge San Valentin und Cerro Escudo und beschlossen, sie zum Logo ihrer künftigen Bekleidungsfirma zu machen. Heute ist die Marke "Patagonia" Milliarden Dollar wert. Habt ihr mir genau zugehört ?“ Betretenes Schweigen senkt sich über die Wiese.


Ich bleibe noch den kompletten nächsten Tag im Hause der Schneiders, da der Sturm nach wie vor tobt. Als ich endlich ablegen kann, werfe ich einen letzten Blick auf den San Valentin und denke an das Erlebte zurück. Leider hatte Antonio nicht ganz recht. Das Logo der Marke "Patagonia" zeigt den "Monte Fitz Roy" in Argentinien.

12 Stunden und 34 km später erreiche ich mit zwei Forellen im Gepäck Puerto Bertrand, wo ich glücklicher Weise wieder auf Jonas treffe. Am Lagerfeuer berichtet er mir von seinen Abenteuern im Cerro Castillo Nationalpark und zeigt herrliche Fotos auf seiner Kamera.


Mit einem Kribbeln im Bauch erwache ich am folgenden Morgen. Heute wollen wir den Oberlauf von Chiles mächtigsten Fluss paddeln. Jonas hat eine Raftingtour gebucht und ich werde dem Raft mit meinem Packraft folgen. Unser Gepäck wird von der Agentur transportiert, was sich rückblickend als cleverer Schachzug erweisen soll.

Es geht sofort richtig zu Sache. Im Wuchtwasser des Baker stehen meterhohe Wellen. Ich johle vor Freude über die Achterbahnfahrt in meiner kleinen gelben Wespa (Taufname). Einmal wähle ich allerdings eine etwas falsche Linie und lege einen gehörigen Stunt hin. Als wir uns am Abend das dazugehörige Video anschauen, kommen wir aus dem Lachen nicht mehr heraus.


Auf den letzten 40km nach Cochrane erwarten uns eine Fährfahrt mit dem Packraft, um über den Río Baker und Río Nef überzusetzen. Wir schrubben reichlich Kilometer auf Schotterpisten und erreichen entkräftet Cochrane. Doch Zeit zum Ausruhen bleibt kaum. Wir stehen vor der vielleicht härtesten Etappe der gesamten Reise…

Start auf dem Lago General Carrera.

Die Marmorhöhlen sind einfach fantastisch!

Cathedral de Màrmol (Kathedrale aus Marmor)

Sturm zieht auf dem See auf.

Zu Gast bei Familie Schneider.

Endlich beruhigt sich der See wieder.

Cerró Escudo und San Valentín.

Im Wildwasser des Río Baker.

Wir nutzen das Boot als Fähre am Río Nef.

10. Etappe: Río Tranquilo - Cerro Castillo 

Streckenlänge: 158,9 km 

Davon auf dem Wasser: 12,8 km

Daten: 24.-29.01.22

Besonderheiten: Marmorhöhlen, Chiles größter See und eine verlassene Stadt

Beim Wandern einen Partner an der Seite zu haben, hat definitiv seine Vorteile. So kann man unglaubliche Erlebnisse teilen und sich gegenseitig motivieren, wenn der Tag einfach nicht enden will. Dichte Wälder mit stachligen Gewächsen, zahlreiche Flussquerungen, Hitze, Kälte und schwere Rucksäcke waren auf dieser Etappe der Preis für ein herrliches Abenteuer in einer menschenleeren Wildnis. Für Jonas war es eine waschechte Feuertaufe, die er aber souverän gemeistert hat.


Die Tour beginnt am Ufer des größten Sees Chiles, dem Lago General Carrera. Wir zelten im Ort Puerto Tranquilo, welcher derzeit von Touristen überrannt wird, weil man von hier aus Bootstouren zu eindrucksvollen Marmorhöhlen unternehmen kann. Mein Plan ist es, die Höhlen mit dem Packraft selbstständig zu erkunden und dann auf der anderen Seeseite anzulanden. Für Jonas buchen wir eine Tour und überreden den Captain, ihn ebenfalls auf der anderen Seite abzusetzen. Die Bitte sorgt für etwas Verwirrung, aber unser Plan geht auf und wir erleben einen magischen Vormittag bei bestem Wetter. 


Auf einem Viehweg folgen wir zwei Tage lang dem Nordufer des Lago General Carrera. Sengende Hitze, Dornengestrüpp und unzählige Höhenmeter verlangsamen unser Vorankommen. Dafür werden wir jedoch mit spektakulären Ausblicken auf den schier unendlichen See belohnt. In der Ferne tauchen mehrere Häuser auf, die mein GPS als den Ort Puerto Cristal ausweist. Zu unserer Überraschung bellt kein Hund, als wir die Siedlung betreten. Wir passieren eine Villa, mehrere Baracken, Lagerhäuser und eine Schule mit eingefallenem Dach. Im Straßenstaub liegen ein paar alte Turnschuhe von Nike neben einer Dose Cola. Nichts regt sich. Es ist komplett still.


Auf einer Anhöhe stehen wir plötzlich vor einer Verarbeitungshalle, die sich ca. 100m hinauf des Berges zieht. Dank meines Smartphones erfahren wir, dass man in Puerto Cristal zwischen 1931 - 1994 Zinn und Blei abbaute. Als die Mine unrentabel wurde, verließen die Bewohner das Dorf. Nur ein alter Mann wollte in seiner Heimat bleiben und wurde in den Folgejahren über das Militär mit Lebensmitteln versorgt. Leider, leider lebt er heute nicht mehr.


Neugierig schauen wir uns in der Halle um und inspizieren die alten Maschinen, Förderbänder und rostigen Kessel, die wir vorsichtig über knartzende Treppen erreichen. Staub bedeckt die Ketten, Schalter und Hebel. Es fühlt sich an, als würden uns die Arbeiter jeden Moment hinausscheuchen, um ihre Schicht anzutreten.


Zwei Tage später löffeln wir im Schatten einiger Bäume Nudelsuppe zum Mittag. Vor uns teilt sich der Weg und beide Optionen führen zum Ziel. Sollen wir den längeren und steileren Weg nehmen, der uns über einen Gebirgspass führt, oder einfach weiter dem Flusslauf folgen? Für die kommende Nacht ist Regen und Wind angesagt, sodass die Entscheidung eigentlich leicht fallen sollte…


„Hätten wir das Zelt vielleicht noch flicken sollen?“ fragt mich Jonas. Wir müssen herzlich lachen. Genau in diesem Augenblick zerrt eine heftige Böe am Zelt und unser Lachen verstummt abrupt. Gespannt schauen wir uns an und hoffen, dass mein billiges Zelt aus Studentenzeiten, was ich Jonas vermacht habe, diese Nacht im Gebirge noch überstehen wird. Für beide Zelte ist zwischen diesen Felsen einfach zu wenig Platz. In weniger als 500m Luftlinie erhebt sich die vergletscherte Bergkette der Torres de Avellano. Immer wieder donnern mächtige Eisblöcke in die Tiefe, was wie fernes Donnergrollen klingt. Mitten in der Nacht reißt uns ein seltsamer Tierlaut aus dem unruhigen Schlaf. Wir sind sofort hellwach, rühren uns aber keinen Zentimeter.


Erleichtert über die ersten Sonnenstrahlen des Tages, entleeren wir unsere drückenden Blasen. Vor uns schimmern die Bergspitzen und Gletscher im roten Licht. Es ist ein unglaublicher Anblick, der für die unruhige Nacht vollends entschädigt. Wir suchen im Sand nach Tierspuren, finden aber nichts. Und abgesehen davon, dass uns in den nächsten zwei Tagen noch die Vorräte ausgehen werden, verläuft der Abstieg nach Cerro Castillo ohne besondere Vorkommnisse.

Wenn ich auf die zahllosen Erlebnisse dieser Fernwanderung zurückblicke, formt sich in meinem Kopf das Bild hoher Wellen auf einem endlosen Meer. Jeder Wellenkamm steht stellvertretend für einen Höhepunkt der Reise, welcher zwangsläufig einem Tiefpunkt folgt. Zu Wissen, dass jede Anstrengung und Herausforderung mehr als belohnt wird, macht mich gelassen. Mehr noch, ich begegne Herausforderungen mit Humor. Ob ich diese Stärke auch im Alltag übernehmen kann, wird sich bald zeigen 🙏.

Unser Einkauf für sieben Tage Wanderung.

Am Ufer des Lago General Carrera beginnt unsere erste Etappe zu zweit.

Es kann losgehen.

Mit dem Packraft erkunde ich die eindrucksvollen Marmorhöhlen.

Wir wandern zwei Tage entlang des Sees auf einsamen Viehwegen.

Das verlassene Bergbaudorf Puerto Cristal.

Die Verarbeitungshalle scheint noch völlig intakt zu sein.

Zwei alte Transportschiffe.

Unser letztes Nachtlager am See.

Wir biegen in Richtung Gebirge ab.

Nur dank einer Furt werden wir diesen süßen Begleiter wieder los.

Badetag!

Aufstieg zu den Torres de Avellano.

Entpuppt sich als schwierige Angelegenheit.

Geschafft!

Jetzt fehlt nur noch ein Steinwall gegen den Wind.

Am Morgen danach.

♥️

Wo bin ich?

Ein letztes Abendmahl, bevor uns die Nahrungsmittel ausgehen.

Wir halten ein Auto an und erhalten dankbar ein Gnadenbrot.

9. Etappe: Palena - Rául Marín Balmaceda

Streckenlänge: 185,6 km 

Davon auf dem Wasser: 183,5 km

Daten: 24.-29.01.22

Besonderheiten: El Rodeo, Río Palena und ein Gespräch mit Nachwirkungen

Langsam schiebt sich die Fähre vom Dock des Ortes Rául Marín Balmaceda. Von meinem Sitzplatz an Deck werfe ich einen letzten Blick auf den Fjord, über den ich noch gestern bei bestem Wetter anlandete. Heute ist es bewölkt und es weht ein kühler Wind, weshalb sich die meisten Passagiere auf ihre Sitzplätze im Innenraum zurückgezogen haben. Die Enge, der Fernseher und Maskenpflicht haben mich hinausgetrieben, wo ich jetzt gemütlich auf meiner Isomatte sitze und spüre, wie das Boot auf den Wellen des Pazifiks merklich zu schaukeln beginnt. Hier draußen finde ich Ruhe, um meine aufgewühlten Gedanken zu ordnen und um das zu verarbeiten, was sich in den letzten Tagen ereignet hat. Und das war nicht wenig.


Das kleine Örtchen Palena im Herzen der patagonischen Anden hat mich vom ersten Augenblick an begeistert. Ich finde rasch eine gemütliche Herberge, dusche ausgiebig, wasche (fast) all meine Klamotten und nehme eine kräftige Mahlzeit ein. Gestärkt begebe ich mich am folgenden Tag in die Arena zum Rodeo. Sofort entdecken mich die Herren, denen ich bereits auf dem Hinweg begegnet bin. Im Laufe des Wochenendes laden sie mich zu mehreren köstlichen Mahlzeiten mit reichlich Wein ein und erklären mir geduldig den Ablauf bei einem traditionellen Rodeo.


Der Wettkampf wirkt auf mich spektakulär. In die Arena wird ein ahnungsloses Kälbchen getrieben, was von jeweils einem Team, bestehend aus zwei Reitern, bereits empfangen wird. Sofort rennt das junge Tier panisch umher. Die Herausforderung für die Teilnehmer besteht nun darin, das Kälbchen auf eine bestimmte Weise durch die Manege zu treiben. Gelingt dies, gibt es Pluspunkte. Zumeist gelingt es jedoch nicht, was aus Zuschauersicht sehr unterhaltsam ist. Einem Tier gelang es sogar, aus der Arena herauszuspringen! Bei einer anderen Disziplin müssen die Kälber mit einem Lasso eingefangen werden. 


Die Wettkämpfe sind unter dem Gesichtspunkt des Tierschutzes kritisch zu sehen. Gabriel Boric (Chiles neuer Präsident) hat beispielsweise im Wahlkampf angekündigt, den Rodeo abschaffen zu wollen. Allerdings sind die Wettbewerbe kulturell tief verankert und bedeuten für Palena die größte Fiesta des Jahres. Als Außenstehender möchte ich mir kein Urteil erlauben. Ich sauge das Geschehen einfach auf, lerne viele herzliche Menschen kennen und tanze bis tief in die Morgenstunden zur Livemusik.


Wenig erholt, aber mit reichlich Essen und sogar ein paar Dosen Bier im Gepäck, breche ich zum Río Palena auf. Auf diese Etappe freue ich mich schon lange! Mehrere Stromschnellen erfordern sogleich meine volle Aufmerksamkeit. Stellenweise ist der Fluss so flach, dass ich zum Aussteigen gezwungen bin. Ich übernachte auf dem Grundstück der Familie, die ich auf dem Hinweg kennengelernt habe. 


Paz und Ricardo leben hier als Selbstversorger und führen mich freundlicher Weise herum. Es gibt einfach alles! Hühner, Schafe, Gänse, Pferde, Hunde, Katzen, Ziegen, Gewächshäuser, zahllose Beete, Sträucher, Obstbäume - ja sogar Korn bauen sie selbst an, mahlen es per Hand und backen daraus köstliches Brot. Ihr Grundstück sei sehr groß. Wenn ich Lust hätte, könnte ich jederzeit herkommen, auch für länger. Einem deutschen Schauspielerpärchen hätten sie bereits ein Stück Land verkauft. Die beiden finanzieren sich indem sie diverse Schulprojekte durchführen…


Das Gespräch klingt in mir noch lange nach. Während ich an einsamen Stränden zelte und die Forellen im glasklaren Wasser zählen kann, denke ich darüber nach wie es wäre, mir hier eine Selbstständigkeit aufzubauen.


In den 5 Paddeltagen auf dem Fluss treffe ich auf genau einen Angler und zwei Familien beim Badeausflug. Der Fluss mäandert komplett unverändert durch eine traumhafte Bergkulisse und ist Heimat für unzählige Fische und Vögel. Tag für Tag verbreitert sich der Strom und nimmt dadurch weiter an Fahrt auf. Besonders beeindruckend ist dabei der Zusammenfluss des dunkelblauen Río Palena mit dem türkisblauen Wasser des Río Frío (kalter Fluss). Um meine Kräfte optimal einzuteilen, stelle ich das Paddeln ein, sobald mich eine kräftige Strömung erfasst hat. Auf diese Weise bin ich zwar länger auf dem Fluss, lege aber am 3. Tag stolze 53km zurück und fühle mich am Abend gut.


Das Wetter könnte besser nicht sein. Eigentlich ist es zu gut. Eine lange Siesta ist unumgänglich, um der sengenden Sonne für eine Weile zu entgehen. Ich versuche meine Nahrungsmittel aufzustocken, indem ich meinen Erfolgsköder hinter dem Boot herziehe. Es dauert keine 5 Minuten und ich kämpfe mit einer knapp 50cm langen Regenbogenforelle. Noch nie in meinem Leben war ich an einem Ort an dem die Natur noch so intakt ist. 


Der 4. Tag dieser Tour ist auch gleichzeitig der Schwierigste. Das gute Wetterfenster beginnt sich zu schließen und ein kräftiger Gegenwind verlangsamt mein Weiterkommen. Um mich abzulenken, studiere ich meine Route auf dem GPS Gerät und entdecke eine natürliche heiße Quelle unweit meines Standortes. Eine Stunde später aale ich mich im heißen Wasser und genieße Käseravioli, die ich über meinem Campingkocher zubereitet habe. Die Zeit drängt, aber im Augenblick bin ich durch den Gegenwind zum Genießen verdammt.


Gegen Abend bessert sich die Lage und ich fahre mit Vollgas bis zum Einbruch der Dunkelheit. Mein Zelt schlage ich auf einer höhergelegenen Kiesbank auf, nicht wissend, dass die Gezeiten bereits hier starken Einfluss haben. 4:40 Uhr klingelt mich der Wecker aus dem Schlaf. Beim Verlassen des Zeltes stelle ich fest, dass mich die Flut in der Nacht um ein Haar unter Wasser gesetzt hätte. 50cm neben meinem Zelt ist der Kies noch feucht. Das Wasser läuft gerade ab und es ist windstill, also nichts wie los!


Als ich 15km später in den Fjord einbiege, sehe ich zu meiner Freude mehrere Pinguine. Kurze Zeit später entdecke ich mindestens 100 Seelöwen, die auf Nahrungssuche immer wieder abtauchen. Neugierig nähere ich mich, doch auch die Seelöwen scheinen an einer Begegnung interessiert zu sein, denn sie schwimmen direkt auf mich zu und kurzzeitig bin ich von ihnen umgeben. Durch das glasklare Wasser kann ich beobachten wie die Tiere knapp unter meinem Boot hindurchtauchen, um prustend auf der anderen Seite wieder Luft zu holen. Einige Jungtiere spielen wenige Meter neben mir im Wasser. Was für ein Spektakel! Ich bin fassungslos vor Glück und drehe mehrere geniale Videos. 


Mittlerweile ist es Abend auf der Fähre geworden. Ich sitze nach wie vor im Freien. Die Fahrt nach Aysén dauert noch bis in die Morgenstunden. Sollte ich hier nicht einfach mein freistehendes Zelt aufbauen? Besser nicht. Morgen um diese Zeit werde ich mich mit Jonas Grünewald, einem Freund aus der Heimat, treffen, der mich auf einigen Etappen begleiten möchte. Es bleibt spannend 😀

Willkommen in Palena!

Das traditionelle Rodeo Chileno.

La fiesta! 

Der Morgen danach…

Start auf dem Río Palena!

Zu Gast bei Paz und Ricardo.

Das leichte Wildwasser im Oberlauf bereitet nicht nur Freude, sondern auch Abkühlung!

Gute Nacht!

Und guten Morgen.

Zusammenfluss von Río Palena (dunkelblau) und Río Frío (türkis).

Vom Aussterben bedroht: Langhalsdinosaurier.

Eine von zwei Brücken auf 185 Flusskilometern.

♥️

Mahlzeit in einer natürlichen heißen Quelle.

Im Unterlauf ist der Río Palena zu einem riesigen Strom angewachsen.

Auf in den letzten Tag!

Selfie mit dem Fährschiff.

3 Stunden später tummeln sich Seelöwen um und unter meinem Boot!

Während die Ausrüstung trocknet, blicke ich voller Dankbarkeit zurück auf eine der schönsten Etappen bislang.

8. Etappe: Puyuhuapi - La Junta - Chaitén - Palena

Streckenlänge: 229 km 

Davon auf dem Wasser: 126 km

Daten: 11.01.-21.01.22

Besonderheiten: Lago und Río Yelcho

Diese 8. Etappe ist ausnahmsweise keine zusammenhängende Tour, sondern besteht aus 3 Teiletappen, die ich der Einfachheit halber zu einem Eintrag zusammengefasst habe. Auch ist es etwas verwirrend, dass ich beim zweiten Abschnitt von Süd nach Nord reise, anstatt umgekehrt. Am Ende entsteht eine zusammenhängende Route, vertraut mir 😉.


1. Abschnitt: Puyuhuapi - La Junta 

Von Puyuhuapi aus geht es steil hinauf zum Lago Risopatrón, an welchem Ufer ich das Packraft startklar mache. Da ein kräftiger Rückenwind weht, baue ich kurzerhand aus etwas Bambus und meinem Zelt ein einfaches Segel. Die investierte Zeit zahlt sich aus. Ohne große Anstrengung gleite ich über den 12 km langen See.


Am Folgetag erreiche ich nach einer 10 km langen Wanderung auf der Carretera Austral (Hauptstraße) den gleichnamigen Fluss Risopatrón. Es ist ein kleiner Strom, indem jede Menge Bäume liegen. Zumeist kann ich die Hindernisse umschiffen, nur ein paar Mal bin ich zum Aussteigen und Umtragen gezwungen. Ich lege an diesem Tag stolze 40km zurück und liege abends völlig platt an einem feinen Sandstrand, der als mein Nachtlager dient.


2. La Junta - Chaitén 

Chaitén!? Kommt dir das bekannt vor? Richtig, dort hatte ich meinen Kletterunfall. Dieses Mal werde ich Chaitén von der südlichen Seite über den Wasserweg (Río Yelcho und Fjord) erreichen, um die Verbindung zu meiner bisherigen Route herzustellen.


Startpunkt ist eine Brücke, die ca. 80km nördlich von La Junta liegt. Also halte ich meinen Daumen in den Wind und bin hoch erfreut, als bereits nach kurzer Zeit ein Wagen neben mir hält. Der Fahrer ist Jörg Wehnert aus, haltet euch fest, Bad Lauchstädt bei Halle (Saale). Was für ein lustiger Zufall. Jörg gönnt sich eine Auszeit von einem Jahr und bereist ganz Südamerika. Den Wagen hat er sich nur gemietet. An der Brücke angekommen, nehmen wir noch eine gemeinsame Mahlzeit ein und setzen unser angeregtes Gespräch fort. Jörg ist so nett, ein paar Bilder von mir zu schießen, als ich bereits mit dem Packraft auf dem Río Yelcho entschwinde. 


Es ist ein gewaltiger Strom. In etwa wie die Elbe, nur deutlich breiter, mit türkisblauem Wasser und doppelt so schnell. Der Vergleich scheint also etwas zu hinken. Ein kräftiger Gegenwind donnert mir entgegen. Nur dank der starken Strömung komme ich überhaupt voran. Als sich nach etwa 2 Stunden auch noch heftiger Regen zu Wort meldet, errichte ich geschwind ein Lager für die Nacht. Am folgenden Tag weht kein Lüftchen und ich komme mühelos im 40km entfernten Chaitén an.


3. Chaitén - Palena

Ich erreiche die mir bereits bekannte Brücke per Bus. Dieses Mal werde ich aber nicht dem Río Yelcho nach Norden hin folgen, sondern über den Lago Yelcho paddeln. Der See hat in etwa die Größe der Müritz. Kaum habe ich die Brücke passiert, werfe ich noch einen Spinner (Angelköder) ins Wasser, den ich einfach hinter meinem Boot herziehe. Bereits nach 20 Min. geht ein Ruck durch die Schnur und ich kann einen 50cm langen Lachs landen. Die Investition in den neuen Köder hat sich schnell bezahlt gemacht 😀. Ich krieche an diesem Abend mit einem sehr vollen Bauch in mein Zelt.


Als ich als Vorbereitung für die Tour vor vielen Monaten mit Jan Dudek telefonierte, bezeichnete dieser den Lago Yelcho als „Biest“. Ständig wechselnde Windbedingungen, verbunden mit hohen Wellen sowie die gefährlichen Strömungen sorgen regelmäßig für Unfälle, wie mir ebenfalls der Angelladenbesitzer in Chaitén versicherte. Und tatsächlich, während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich fest. Wind und Wellen machen meine Weiterfahrt derzeit unmöglich.


6 Stunden später, es ist bereits 15 Uhr, tut sich endlich ein Wetterfenster auf. Es ist auch die letzte Chance des heutigen Tages, schließlich liegen noch 12 km bis zur nächsten Zeltmöglichkeit vor mir. Ich quere rasch den See und folge den Felsen auf der anderen Uferseite in südlicher Richtung. Steife Böen drängen mich immer wieder von meinem Kurs ab. 1 km bevor ich das Ziel erreiche, legt der Wind noch einmal so richtig los und peitscht mir Regen und Gischt ins Gesicht. Ich kämpfe mich in Zeitlupe voran und erreiche gegen 20 Uhr mein Nachtlager. Schlagartig ist es windstill. Es ist, als ob das Biest ein letztes Mal seine Krallen nach mir ausgefahren hat.


Auch am Folgetag meint es Petrus nicht gut mit mir. Meine Stimmung ist angesichts des Dauerregens und der Strecke (60 km Landstraße) eher gedrückt. Nach etwa 10 km steht ein LKW am Straßenrand, dessen Insassen gerade ihr Angelglück am nahegelegenen Fluss versuchen. Dankbar über die Ablenkung spreche ich die Herren an. Sie erzählen mir, dass sie an einem Reitturnier teilnehmen möchten und zeigen mir stolz ihre 8 Pferde. Das Turnier findet dieses Wochenende in Palena statt und ich bin eingeladen, ihr Team zu unterstützen. Was für eine glückliche Fügung! Das passt perfekt in meinen Zeitplan. Meine Stimmung hebt sich schlagartig. 


Tags darauf komme ich vom Weg ab und stehe quasi bei einer sehr sympathischen Familie mit eigenem Kletterfelsen und mit unzähligen Tieren im Garten. Auf meiner nächsten Etappe werde ich mindestens eine Nacht hier verbringen, da ihr Grundstück unweit des Río Palena liegt. „Aber das liebe Kinder, erzähle ich euch ein andermal!“ sagt Papa Tobi und klappt das Abenteuerbüchlein zu.

Das Segel ist gesetzt! (Lago Risopatrón)

Río Risopatrón am Folgetag.

Das viele Holz verlangt einige Manöver von mir ab.

Geschafft für heute!

Los gehts zum 2. Abschnitt.

Der Río Yelcho ist ein breiter und kräftiger Strom.

Im Hintergrund nähert sich die Regenfront.

3. Abschnitt: Lago Yelcho.

Petri Heil!

Einige Stunden später.

Gute Nacht!

Und guten Morgen!

♥️

♥️

Ein See mit vielen Gesichtern!

Die 1000 km Marke ist pünktlich zur Halbzeit geknackt!

Es geht mir sehr gut. Zwar gibt es beim Material (Rucksack, Schuhe, Gestänge) den ein oder anderen Ausfall, aber noch habe ich alles im Griff. Ich bin unendlich dankbar, dass ich diese einzigartige Reise unternehmen darf und freue mich auf alles, was da noch kommen möge …

7. Etappe: Picaflor Sur - Puerto Cisnes - Puyuhuapi 

Streckenlänge: 139,7 km 

Davon auf dem Wasser: 115,7 km

Daten: 04.01.- 10.01.2022

Besonderheit: Das vergessene Tal

Mit einer Mischung aus Vorfreude und Anspannung verlasse ich die Hauptstraße und biege auf einen kleinen Forstweg ein. 

Vor mir liegt das Tal (Valle) Picachu, welches fast komplett unbesiedelt ist. Es ist definitiv ein Geheimtipp, den zumeist nur Einheimische kennen. Meine Informationen und GPS Daten wurden von einer 4 köpfigen Expedition zusammengetragen, welche die Tour vor nunmehr 3 Jahren unternommen hat.


Nach 17 Kilometern Fußmarsch wird mein Weg von einem kleinen Flusslauf durchschnitten. Unschlüssig, ob es sich lohnt die Schuhe extra auszuziehen, stehe ich am Ufer. In diesem Augenblick höre ich von hinter mir Hufgetrappel. Rasch nähern sich mir 5 Reiter, die freundlich grüßen und mir anbieten, auf einem ihrer Pferde Platz zu nehmen. Dankend nehme ich an, gebe einem der Männer meinen Rucksack und schwinge mich hinter ihm in den Sattel. Mein Gönner heißt Ariel und erzählt mir, dass sie als Familie auf Erkundungstour seien. Als wir kurze Zeit später trockenen Fußes auf der anderen Seite angekommen sind, schieße ich noch schnell ein Selfie mit Ariel und seinem Braunen und verabschiede mich dankend.


5 Kilometer später erreiche ich den Río (Fluss) Picachu, welcher mich bis zum Fjord führen soll. Das Boot ist schnell aufgebaut und der Spaß beginnt sogleich. Da es die letzten Tage ausdauernd geregnet hat, warten herrliche Stromschnellen (Stufe 2) auf mich. Der Fluss schlängelt sich fröhlich durch die Landschaft und überall zeugen umgefallene Bäume und steile Abbruchkanten von der Kraft des unregulierten Stroms. Plötzlich sehe ich an der rechten Uferseite die Familie zu Pferd und lege an. 


Wo ich denn plötzlich das Boot her hätte, wollen sie wissen, und wo ich überhaupt hinwolle, denn schließlich ginge es hier nicht weiter. Ich beantworte ihre Fragen geduldig und zeige ihnen meine Route auf dem GPS Gerät. Sie laden mich am gleichen Abend in ihr Puesto ein, welches das letzte Haus im Tal ist. Es dauert eine Weile, bis ich die komplizierte Wegbeschreibung verstehe, aber dank meines schlauen Geräts finde ich ihre alte Hütte auf einem kleinen Hügel unweit des Flusses. 


Als ich gegen halb 10 im Zelt liege und gerade am Einschlafen bin, höre ich vom Fluss her laute Rufe. Schnell ziehe ich mich wieder an, schlüpfe in die Schuhe und eile den Stimmen entgegen. Ein Pferd hat sich in der Mitte des Flusses mit einem Huf in einer Astgabel verhakt und wiehert panisch. Als das Tier endlich befreit ist, treiben es die Männer mit vereinten Kräften auf das andere Ufer zu.


In der Hütte angekommen, entzünden wir ein Feuer. Es ist das erste Mal seit 15 Jahren, dass sie ihr altes Puesto besuchen, erzählen sie mir später bei reichlich Wein. Ihr Großvater hätte hier einmal während der Sommermonate gelebt und das Vieh gehütet, aber das sei lange her. Heute lebt und arbeitet die ganze Familie in Coyhaique und jeder von ihnen geht einer geregelten Arbeit nach. In 2 alten Pfannen braten wir ein paar Leckerbissen vom Schaf, das als Proviant für die nächsten Tage dienen soll. Es schmeckt köstlich!


Am nächsten Morgen schaffe ich es erst um 7 Uhr aus dem Bett. Die Nacht war kurz und mein Kopf ist noch schwer vom Wein. Es ist ein herrlicher Tag. Keine Wolke steht am Himmel und der glasklare Fluss führt mich durch eine magische, ja fast mystische Landschaft. Hinter jeder Flussbiegung wartet eine neue Überraschung. Urwaldriesen, unzählige Vögel, schroffe Felsen und rasante Stromschnellen lassen die Kilometer nur so dahinfliegen. Damit ist leider Schluss, als der Río Picacho in den Lago Copa mündet und mir starker Gegenwind entgegenschlägt. Ich habe das Gefühl, als ob ich von der Autobahn direkt in eine Spielstraße einbiegen würde.


Der Lago Copo besteht aus 4 Seen, welche durch rasante Stromschnellen (Stufe 3-4) miteinander verbunden sind. Die erste Stromschnelle kann ich noch befahren, bei den anderen ist dies leider unmöglich und ich sehe mich gezwungen, die Passagen großräumig zu umtragen. Und das wird zur Tortur. Um die erste Schlucht des Flusses zu umgehen, schlage ich mich 4 Stunden lang durch dichtestes Gestrüpp. Teilweise krieche ich unter Farnen und Büschen hindurch, doch am schlimmsten ist der meterhohe Bambus, durch den ich keine 2 Meter weit sehen kann. Einmal versuche ich mithilfe eines Stocks eine Schneise zu schlagen. Als ich nach ca. 20 Metern umdrehe, verlaufe ich mich und kann meinen Rucksack samt GPS Gerät nicht wiederfinden. Es dauert mindestens 20 Minuten, bis ich endlich zurückfinde. Zwischendurch bleibe ich immer wieder stehen, atme tief durch und ringe die aufsteigende Panik nieder. Ab jetzt gebe ich das GPS Gerät nicht mehr aus der Hand.


Am Abend erreiche ich endlich den Lago Escondito und am folgenden Tag den Fjord, an dessen Ufern sich Puerto Cisnes befindet. Ein Restaurant direkt am Wasser bietet ein günstiges und leckeres Mittagessen an. Ich durchfahre den 55 Kilometer langen Fjord nach Puyuhuapi in 2,5 Tagen. Der Wind ist launisch und meine Arme sind schwer. Dank eines spannenden Hörbuches komme ich trotzdem stetig voran. Unterwegs ist es aber keinesfalls langweilig!


Ich erlebe hautnah, wie ein Schwarm Delfine im Delta eines Flusses im Verband jagt. Tags darauf taucht prustend ein Seelöwe so nah neben meinem Packraft auf, dass ich mich fürchterlich erschrecke. Ich hätte ihn problemlos mit dem Paddel berühren können. Kurz darauf wundere ich mich, warum ein Kormoran, anstatt wegzufliegen,

immer wieder panisch vor meinem Boot abtaucht. Die Lösung wird mir bei genauerer Betrachtung des Vogels klar. Es ist ein Pinguin! Am letzten Abend stoße ich am Strand auf eine Großfamilie, die mich sofort herzlich zu einem Asado (Grillfest) einlädt. Die Gastfreundschaft der Chilenen ist wirklich bewundernswert!

Dank Ariel komme ich trockenen Fußes auf der anderen Flussseite an.

Los gehts!

La Familia.

Unterwegs auf dem Río Picachu.

Der Fluss ist einfach traumhaft!

Weiter gehts auf dem Lago Copa.

Das Zelt brauche ich in dieser Nacht nicht.

Am nächsten Morgen…

…wirkt der See wie ein riesiger Spiegel.

Ich muss das erste Mal umtragen.

2,5 Kilometer und 4 Stunden später.

Ich erreiche den Fjord.

Mittagspause in Puerto Cisnes.

Unterwegs im Fjord.

Ich werde zum Asado eingeladen und erreiche am folgenden Tag Puyuhuapi.

6. Etappe: Coyhaique - Cerro Castillo

Streckenlänge: 105,6 km 

Davon auf dem Wasser: 0 km

Daten: 26.12. - 31.12.21

Besonderheit: Nationalpark Cerro Castillo

El Cerro ist im Spanischen der Berg und Castillo heißt so viel wie Burg. Und tatsächlich: vom gleichnamigen Dorf aus sieht die gezackte Gebirgskette aus wie eine Burg aus Fels. Wohnen möchte ich dort allerdings nicht, da die Burg vergletschert ist. Vielleicht in ein paar Jahren? Die Gletscher im Nationalpark Cerro Castillo ziehen sich (wie fast überall) in rasanter Geschwindigkeit zurück und hinterlassen das auffällig helle Ausgangsgestein.


In Patagonien befindet sich einer der ganz wenigen Gletscher weltweit, der nicht schrumpft. Die Rede ist vom Gletscher Perito Moreno, welcher sich unweit von El Calafate (Argentinien) befindet. Jährlich besuchen tausende von Touristen den Gletscher, da man seine bis zu 50 Meter hohe Eisfront von einer Halbinsel aus hautnah bestaunen kann. Warum der Gletscher nicht schrumpft, ist in der Wissenschaft umstritten. Eine Theorie besagt, dass aufgrund des Klimawandels die Winde auf dem Plateau des Südpatagonischen Eisfeldes zunehmen, wodurch vermehrt Schnee im Nährgebiet des Gletschers abgelagert wird. Ich kann diesen Gletscher beim Vortrag auf Wunsch gern thematisieren, auch wenn er nicht auf meiner jetzigen Route liegt.


Die Silvesternacht habe ich in einem Hostel in Coyhaique verbracht. Es war eine herrliche Fiesta und wir haben bis in die Morgenstunden getanzt. Jetzt muss ich leider ein paar Tage schlechtes Wetter aussitzen, bevor ich die weiter nördlich gelegenen Wasseretappen angehen kann, auf die ich mich sehr freue 😎.


Ich wünsche dir ein erlebnisreiches neues Jahr!

Cerro Castillo.

Laguna Castillo.

Ein langer Wandertag geht zu Ende.

Das Nachtlager ist errichtet.

Sonnenaufgang.

Ein Hängegletscher krallt sich an den Bergen fest.

Leichter Schneefall setzt beim Überschreiten eines Passes ein.

Silvesterfiesta im Hostel Patagon (Coyhaique).

5. Etappe: Coyhaique - hinterstes Hinterland - Picacho Sur (Hinterland)

Streckenlänge: 133,9 km 

Davon auf dem Wasser: 0 km

Dauer: 5 Tage

Besonderheiten: freundliche Siedler, Tierbegegnungen, Bergbesteigung

Um meiner Schulter Erholungszeit zu gönnen, absolviere ich eine einfache Wanderetappe nördlich von Coyhaique, die eigentlich erst Ende Januar an der Reihe gewesen wäre. Nun gut, einfach ist die Etappe dann doch nicht, aber wenigstens muss ich nicht klettern. Es geht querfeldein durch Wälder, über Koppeln und entlang einsamer Puestos (Siedlungen). Das GPS Gerät habe ich dabei fast permanent in der Hand und fühle mich so wie ein Schatzsucher.


Ich treffe, wenn überhaupt, auf erstaunte und sehr aufgeschlossene Landwirte und habe immer wieder tolle Tierbegegnungen. Staunend stehe ich am 3. Tag auf einem Gipfel, der weder einen Namen trägt noch durch irgendwelche Wanderwege erschlossen ist und kann mein Glück kaum fassen…


Willkommen in Patagonien!

Bitte folgen Sie mir.

Bandurrias sitzen am Wegesrand.

El lupino.

La Cascada (der Wasserfall).

Camping am Lago Larga (langer See).

Barba de viejo (Bart des alten Mannes).

Dieser Schafhirte weiß lachend zu berichten, dass Angela Merkel jetzt Rentnerin ist.

Ein Cóndor segelt über die Anden.

Wahnsinnige Kulisse vom Berg ohne Namen.

Specht heißt auf Spanisch Carpintero (Tischler).

El Puesto.

Diese zwei caballeros (Herren) bereiten den Weihnachtsbraten vor.

4. Etappe: Hornopirén - Leptepú - Caleta Gonzalo - Chaitén

Streckenlänge: 184,9 km (inkl. 43,5 km Río Manso)
auf dem Wasser: 113,9 km
Dauer: 10 Tage

Besonderheiten: Fjorde, Strömungen, Wetterumschwünge, Delfine, Seelöwen, Notcamping, Vulkan Chaitén, Verletzung

Bevor ich die äußerst abwechslungsreiche letzte Etappe reflektiere, möchte ich mich von Herzen für eure lieben Nachrichten bedanken. Es freut mich sehr, dass meine Einträge auf euer Interesse stoßen und motiviert mich natürlich zusätzlich, diesen Blog fortzuführen. Diese Motivation kann ich aktuell gut gebrauchen, da ich gerade einen kleinen Tiefpunkt der Reise durchlebe. Ich bin auf der letzten Etappe gestürzt und habe mich an der Schulter verletzt. Aber immer der Reihe nach… 


Gefühlt könnte ich allein über die letzte Etappe ein Buch schreiben. Ich versuche mich kurz zu halten und verspreche, dass es nicht langweilig wird. Wenn du aber keine Zeit zum Lesen hast, scrolle einfach zu den Bildern!

Die Wartezeit bis zur Ankunft der Ersatzlinse der GoPro in Puerto Varas verbringe ich nicht nur auf dem traumhaften Fluss Río Maullín sondern bereite mich auch akribisch auf die folgende Etappe vor, schließlich ist es meine Feuertaufe auf dem Pazifik. Ich studiere ausgiebig Wetterkarten, kalkulierte Distanzen zwischen potenziellen Zeltstellen, notiere den Gezeitenkalender der Fjorde im Tagebuch und kaufe Nahrungsmittel für 8 Tage.


Noch am Abend breche ich von Hornopirén aus auf, übernachte auf einer vorgelagerten Insel und setze 6 Uhr morgens mit dem ablaufenden Wasser den ersten Paddelschlag. Alles läuft nach Plan. Das geänderte Packkonzept (Essensack ist jetzt ganz vorne auf dem Bug) sorgt trotz fehlender Finne für einen guten Geradeauslauf meines Bootes. Ich lege bis 9 Uhr bereits 16 Kilometer zurück und fühle mich super. Pelikane segeln über mich hinweg, Seelöwen sitzen faul auf den Bojen der Lachsfarmen und ein Schwarm Delfine taucht direkt unter meinem Boot hindurch!  Ein Blick auf die Karte verrät mir, dass es bis zur nächste Zeltstelle noch 12km sind. Ab jetzt wird das Anlegen schwierig, da die Brandung steil ist, aber das wird schon passen.


Kurze Zeit später setzt ein unangenehmer Seitenwind ein, der gemeinsam mit der auflaufenden Flut für Langwellen sorgt. Sofort geht es nur noch schleichend voran. 17 Uhr erreiche ich endlich die gewünschte Zeltstelle. Diese entlohnt mich für alle Mühen! Geschafft vom Tag räkele ich mich an meinem Privatstrand.


Tags darauf habe ich teils starken Rückenwind. Die Wellen schieben mich förmlich in den Fjord und das improvisierte Segel, welches ich am Vortag aus angeschwemmtem Müll gebastelt habe, sorgt für zusätzlichen Vortrieb. Ich erreiche den Fähranleger Leptepú nach nur 3 Tagen und campiere dort friedvoll in der Annahme, am nächsten Morgen lediglich die 6,5 km zum schräg gegenüberliegenden Ufer paddeln zu müssen, bevor es dann auf dem Landweg weitergeht. 


Doch es sollte anders kommen. Der erste Überfahrtversuch im Morgengrauen scheitert kläglich. Kaum bin ich 300m gepaddelt, setzt wie aus dem Nichts ein Sturm mit heftigen Regenschauern ein. Innerhalb von Sekunden türmen sich meterhohe Wellen auf und zwingen mich zur Umkehr. Ich warte ein paar Stunden in einer offenen Hütte am Anleger der Fähre ab. 11 Uhr trifft dann die besagte Fähre ein und ich schildere dem Captain meine Lage. Das Wetter hat sich mittlerweile komplett beruhigt. Er versichert mir, dass ein gutes Wetterfenster bis zum späten Nachmittag vor uns liegt. Genau das wollte ich hören, da ich hier kein Empfang habe, um meine Windapps zu konsultieren. Also sprinte ich wieder von Bord, baue flugs das Boot auf, treffe alle sicherheitsrelevanten Vorkehrungen und starte den zweiten Versuch. Es ist eine traumhafte Überfahrt, kein Lüftchen regt sich. Es ist die Ruhe vor dem Sturm…


1,3 Kilometer vor dem anderen Fähranleger bricht das nächste Unwetter über mich herein. Der Sturm peitscht mir Hagelkörner ins Gesicht und reißt mir fast das Paddel aus den Händen. Ich kämpfe mich in eine nahegelegene Bucht und warte vorerst ab. Aus Minuten werden Stunden. Dank Trockenanzug und Neoprenhaube friere ich nicht, sofern ich immer etwas in Bewegung bleibe. Nachdem aber der Wind und die Wellen immer erbarmungsloser gegen die Brandung donnern, wird mir zum Abend hin klar, dass ich die Nacht hier verbringen muss. So kurz vor dem Ufer…


Die Bucht besteht hauptsächlich aus Felsen und ist sehr steil. Stellenweise halten einige kleine Bäume und Farne wacker die Stellung. Das bei meiner Ankunft noch munter plätschernde Bächlein ist mittlerweile zum Wasserfall mutiert, sodass Wassernot nicht besteht. Zwischen ein paar Bäumen baue ich mit Steinen eine kleine Plattform, die ich mit Erde und reichlich abgestorbenen Pflanzenresten abpolstere. Nachts reißt mich der heulende Wind immer wieder aus meiner schrägen Schlafposition, aber am nächsten Morgen hat der Sturm etwas abgeflaut und ich erreiche unbeschadet die Anlegestelle, wo auch die Fähre vor Anker liegt.


Die Seeleute sind erleichtert mich zu sehen. Sie hatten meine Notlandung vom Schiff aus beobachtet und der Captain entschuldigt sich für seine Fehleinschätzung, indem er mir ein Frühstück spendiert. Anschließend trampe ich durchnässt und verfroren zur nächsten Stadt (Chaitén) und nehme mir ein Zimmer für 2 Nächte, um neue Kraft zu tanken und das Unwetter abziehen zu lassen.


Euphorisch trampe ich bei feinstem Wetter zurück zum Fähranleger, schließlich muss ich auch diese Etappe aus eigener Kraft zurücklegen, so verlangen es meine Spielregeln. Die ersten 35km auf der Schotterpiste durch den Nationalpark Pumalin fühlen sich himmlisch einfach an. Im Anschluss geht es hinauf zum Aussichtspunkt des Vulkans Chaitén und dann „nur“ noch 20 km querfeldein zurück nach Chaitén. 


Im Jahr 2008 brach der Vulkan, welcher bis dahin als erloschen galt, völlig überraschend aus und legte eine Decke aus Asche über die gesamte Region, Chaitén wurde teils völlig zerstört. Ich fühle mich, als ob ich durch eine Mondlandschaft wandere. Aus dem Krater und den Flanken des Vulkans tritt Dampf aus. Ich steige über riesige Geröllhalden aus porösem Vulkangestein (Rhyolith) und staune über die schwarze Schönheit vulkanischer Glase (Obsidan). Vor mir dampft ein See. Ich prüfe die Temperatur, entkleide mich bis auf die Unterhose und nehme ein wohltuendes Bad.


Der Abstieg über das steile Tal, welches der Fluss Chaitén in die Vulkanlandschaft gegraben hat, stellt mich vor riesige Herausforderungen. Im Schneckentempo klettere ich über verkohlte Baumriesen und Felsen, schlage mich durch dichtes Gestrüpp und wate durch das eisige Wasser des Flusses. Schritt für Schritt kämpfe ich mich hangabwärts und zelte abends auf einer mächtigen Schicht aus Asche. 


Am folgenden Tag wird der Abstieg noch steiler, sodass ich einzelne Passagen abklettern muss. Die riesigen Nalcablätter machen es schwierig, eine mögliche Route ausfindig zu machen. Auf die Daten meines GPS-Gerätes ist nur teilweise Verlass. Schon die Talsohle vor Augen konzentriere ich mich auf den letzten Metern nicht richtig und stürze unsanft in die Tiefe. Ich hatte meinen Griff nicht geprüft und er war plötzlich ausgebrochen. Glücklicherweise falle ich nicht tief und kann mich gut abrollen. Dennoch bin ich übersät von Blessuren und kann meinen Arm nur unter Schmerzen bewegen. Ich ärgere mich extrem über meine Dummheit, aber Jammern hilft jetzt nicht weiter. Nachdem der Schock überwunden und die Wunden versorgt sind geht es weiter. Nach weiteren 3 Stunden erreiche ich Chaitén. Ich bade, tausche das zerschlissene Hemd gegen ein sauberes T-Shirt, kaufe mir ein Bier und checke auf einem Zeltplatz ein.


Ich hatte wie so oft großes Glück: Die Schulter ist nicht gebrochen und auch sonst geht es mir weitestgehend gut. Allerdings tut die Schulter verständlicherweise noch ziemlich weh und deshalb muss ich die nächsten 2 Paddeletappen vorerst überspringen. 


Rückblickend habe ich auf der Etappe unglaublich wichtige Erkenntnisse für meine weitere Tour gewonnen, die sich wie folgt zusammenfassen lassen:

  • Qualität (Handlungskonzentration) geht vor Quantität (vielen Kilometern). 
  • Wirkt die Strömungsrichtung der Gezeiten entgegen der Windrichtung, entstehen hohe Wellen.
  •  Das Paddeln in Ufernähe ist immer vorzuziehen, da das Wetter innerhalb von Sekunden komplett umschlagen kann.
  • Eine Leash (Verbindungsleine), welche das Paddel mit dem Boot verbindet, ist bei wechselnden Windbedingungen zwingend erforderlich. 


Wie sagte mein lieber Kollege Jan Gaber einst so treffend: „Wenn du willst das es schnell geht, mach langsam!“. Ich versuche mich daran zu halten. Auch wenn es entgegen meiner Natur ist.


Ich wünsche Dir frohe Weihnachten! 🎄

Los gehts!

Seelöwen sitzen auf den Bojen der Fischfarmen.

Traumstrand!

❤️

Ein guter Rückenwind bläst in mein Segel.

Nächster Traumstrand!

Ein letzter Blick aus dem Zelt, bevor sich meine müden Augen schließen…

Es ist die Ruhe vor dem Sturm…

Notlandung in der Bucht.

Aus der es vorerst kein Entkommen gibt.

Meine improvisierte Zeltstelle.

Am nächsten Morgen auf der Fähre.

Durchquerung des Parce Pumalin.

Am Fuße des Vulkans Chaitén.

Ein natürlicher Thermalsee 🔥

Weiter geht es durch die Mondlandschaft.

Vulkanisches Glas (Obsidan).

Nalcablätter können riesig werden!

Fangfrage: wo geht es lang?

Ich erreiche unsanft die Talsohle.

Unrühmliches Ende einer sonst tollen Etappe!

3. Etappe: Ráices del Viento - Lago Tagua Tagua - Rio Puelo - Hornopirén 

Streckenlänge: 103 km

Auf dem Wasser: 47 km

Dauer: 5 Tage

Mit sauberer Kleidung und neuem Elan geht es auf in die 3. Etappe, die es in sich haben wird. Ich starte am Fluss Río Manso, welcher nach kurzer Zeit in den Río Puelo mündet, welcher sich wiederum für 12 Kilometer in den natürlichen See (Lago) Tagua Tagua verwandelt, bevor der Fluss nach weiteren 8 Kilometern in den Fjord mündet, an dessen Ufer das gleichnamige Dorf Río Puelo liegt. Angepeilt waren für diesen ersten Abschnitt 2 Tage. Es sollten aufgrund starker Winde 3 Tage werden. Bei Schönwetterlagen nimmt der Wind stets im Laufe des Tages zu. Deshalb startete ich am 2. Tag bereits 5 Uhr morgens. Es hilft trotzdem nichts. 14 Uhr muss ich anlanden und Lager beziehen, da ich trotz aller Anstrengungen rückwärts statt vorwärts treibe. Im Unterlauf des Rio Puelo werde ich tags darauf mit flotten Stromschnellen belohnt. Ein Hoch auf den Trockenanzug!


Vom Dorf aus kämpfte ich mich durch die Berge auf einsamen Trampelpfaden und querfeldein in Richtung Hornopiren. Es ist kein offizieller Weg und ohne die entsprechenden GPS Daten wäre die Querung unmöglich. Trotz modernster Technik habe ich Mühe, den richtigen „Weg“ einzuschlagen. Da ein Großteil dieser Route über Privatland geht, muss ich einen Bauern bestechen, damit ich überhaupt erst passieren darf. 


Mich erwarten, neben den vielen Höhenmetern, unberührter Valdivianischer Regenwald mit riesigen Alercen (Baumart) und Milliarden von Tábanos (Stechfliegen), die mir keine Verschnaufpause gönnen. Der Abstieg zum Lago General Pinto Concha führt durch dichtes, dorniges Gestrüpp. Einmal wird es richtig brenzlig. Was genau passiert ist, verrate ich aber erst beim Vortrag 😉. 


Zerstochen, zerkratzt und verdreckt erwartet mich am See das Paradies. Kein Stachelgewächs, keine Tábanos und keine Anzeichen menschlicher Zivilisation. Ich grillte mir eine Forelle (außerhalb des Nationalparks gefangen!) und genieße den Sonnenuntergang. 


Am nächsten Morgen überquere ich den See mit der aufgehenden Sonne bei totaler Windstille. Ein wirklich magischer Moment. Die riesigen Urwaldriesen zu Füßen der Steilhänge weisen mir den Weg über den Lago General Pinto Concha und auf der anderen Seite überrasche ich einen chilenischen Bergsteiger, der mich mustert, als ob ich soeben mit der Raumkapsel neben seinem Zelt gelandet wäre. Es folgen viele Fragen.


Mir tut alles weh und draußen regnet es in Strömen. Ich habe die Finne von meinem Boot im Wildwasser verloren, meine Zeltstange ist angebrochen, die ausgeliehene GoPro ist kaputt. 


Und jetzt? Jetzt sitze ich im Bus nach Puerto Montt. Dort kaufe ich eine neue Linse für die Kamera sowie Panzerglas als Schutz, und dann repariere ich die Zeltstange. Und zur Not paddel ich eben ohne Finne. Es geht mir unendlich gut!! 


Mir fällt es schwer, meine Emotionen über dieses Medium zu transportieren, aber ich möchte es trotzdem gern versuchen. Oft sitze ich abends vor meinem Zelt und bin schlicht überwältigt von der Schönheit dieser unberührten Natur. Mehr als einmal musste ich vor Glück und Dankbarkeit weinen. Ich habe das einzigartige Privileg, Orte zu besuchen, die nur wenige Menschen zu Gesicht bekommen dürfen. Ich trage die Freiheit in Form meines Rucksacks auf dem Rücken. Ich kann gehen wohin ich möchte, kann rasten, wo immer es mir gefällt und habe Begegnungen mit inspirierenden und aufgeschlossenen Menschen. Ich bin allein, aber niemals einsam.


Dankeschön, dass auch du mich auf diesem Weg begleitest. Ich wünsche dir eine wunderbare Weihnachtszeit.

Dein Tobi  ❤️

PS: da das Wechselobjekt für die GoPro per Post ankommt, habe ich 5 Tage in Puerto Varas. Aber keine Angst, es gibt bereits viele tolle Ideen für die Zwischenzeit 😂

Vom Río Manso geht es auf den Río Puelo.

Nachtlager am Lago (großer See) Tagua Tagua.

Im Unterlauf des Río Puelo warten einige schöne Stromschnellen auf mich.

Ein Hoch auf den Trockenanzug!

Die Querung von Río Puelo nach Hornopirén hält einige Überraschungen für mich bereit…

Wie beispielsweise riesige Alercen (Patagonische Zypressen).

Oder MILLIONEN Tábanos!

Erster Wurf - Biss - Forelle!

Einige Stunden später 🍴

Die Querung des Lago General Pinto Concha ist landschaftlich definitiv das Highlight der Etappe.

♥️

Bis bald ihr Lieben!

Raíces del Viento - Permakulturprojekt in Llanada Grande

Was ist eigentlich Permakultur? 

Schon von meiner ersten Patagonienreise her kannte ich Juan-Pablo und Riina, die nach den Prinzipien der Permakultur im patagonischen Hinterland leben. Sie produzieren quasi keinen Müll, bauen ihre Häuser aus regionalen Naturmaterialien, erzeugen ihren Strom selbst und ernähren sich zu einem großen Teil von dem, was sie selbst anbauen. 


Laut Wikipedia ist Permakultur ein nachhaltiges Konzept im Gartenbau, das darauf basiert, natürliche Ökosysteme genau zu beobachten und nachzuahmen. Wie das in der Praxis funktioniert, kann man bei „Raíces del Viento“ (auf dt. ‚Wurzeln des Windes‘) lernen! Die beiden geben nämlich ihr breites Wissen in Form von Kursen weiter. Was für eine geniale Sache! 


Ich habe in meiner Woche als Freiwilliger wieder viel Neues gelernt und interessante Aufgaben übernommen. Die beiden sind mir mit ihrer freundlichen und wissbegierigen Art wirklich ans Herz gewachsen. Freut euch auf tolle Interviews mit den beiden zum Vortrag!


Hier findet ihre Webseite:

https://raicesdelviento.org

Kartoffen anhäufen ist nichts für Lauchs!

Juan-Pablo, Nega und Riina beim Interview in der Küche.

Negra lenkt mich vom Sensen ab ❤️

Die liebe Riina bereitet derweil das Mittagessen zu.

Wir versuchen, einen entflohenen Bienenschwarm einzufangen...

Mit Erfolg!

Im Gewächshaus müssen die Tomaten angebunden werden.

Naturdusche pur!

Und zum Abschied gibt es ein Festessen aus dem Lehmofen. DANKESCHÖN!

2. Etappe: Cochamó - La Junta - Lago Vidal Gormez - El Manso - Llanada Grande

Streckenlänge: 131,8
Auf dem Wasser: 6 km 
Dauer: 6 Tage

Die zweite Etappe meiner Wanderung führte mich über das beliebte Wandergebiet La Junta hinaus in das entlegene Hochtal des Lago Vidal Gormez und weiter nach Llanada Grande. Der Weg hat mir alles abverlangt. Ich musste Flüsse queren, bin bis zu den Knien im Matsch versunken und habe im Schnee gezeltet. Trotzdem würde ich die Etappe jederzeit wiederholen. Sie führt durch dichtesten Valdivianischen Regenwald mit einer reichen Flora und Fauna. An jeder Ecke gab es etwas zu entdecken. Auf den Plateas entlang der Flüsse und in den Hochtälern leben verstreut Siedler. Mit ihnen zu sprechen, war für mich hoch interessant. Um zur Stadt zu gelangen, sind beispielsweise mehrere Tagesritte zu Pferd notwendig.


Der Abstieg über das Tal des Flusses El Manso war ebenfalls herausfordernd, da viele Höhenmeter zu überwinden sind und die hiesigen Stechfliegen gerade geschlüpft sind. Völlig zerstochen, geschafft und glücklich bin ich mittlerweile im Permakulturprojekt “Raíces del Viento” angekommen, wo ich eine Woche als Freiwilliger aushelfen möchte. Das Projekt ist wirklich der Wahnsinn. Ich poste Ende nächster Woche sicher paar Bilder 😀.

Etappe 2: Bitte folgen Sie mir.

Toboganes de La Junta (Cochamó)

Dichter Valdivianischer Regenwald.

Guten Morgen!

Eine riesige Alerce (Patagonische Zypresse)

Schlimmster Moment des Tages (Schuhe sind gefroren).

Der Lago Vidal Gormez.

In entlegenen und malerischen Tälern treffe ich  immer wieder auf Siedler.

Zum Abendbrot gibt es heute fangfrische Forelle!

Ich erreiche das Permakulturprojekt “Raíces del Viento” am Rio Puelo.

1. Etappe: Frutillar - Cochamó

Streckenlänge: 124, davon 69,4 dem Wasser
Dauer: 5 Tage 

Ich besuche zum Auftakt das “Colegio Kopernikus” und halte einen Vortrag über Jena und meine Reise. Die Kinder sind begeistert und ich starte motiviert in mein Abenteuer.

Nachdem das Packraft aufgepumpt und alles verstaut ist, starte ich energievoll (aber auch mit sehr viel Respekt!!) zur Überquerung des Lago Llanquihuey. 

11 Stunden später komme ich auf der anderen Seite an (34km, leichter Gegenwind). Ich bin völlig kaputt, aber auch stolz.

Ich besteige den Volcán Osorno. Bis ganz nach oben kann ich leider nicht, da mir das dafür notwendige Equipment fehlt und der Vulkan für seine Gletscherspalten bekannt ist. 

Der Sonnenuntergang ist spektakulär!

Ich steige ab zum Rio Petrohue. Leider muss ich noch 8 km auf einer Straße laufen, bis der Fluss endlich zahm genug ist. 

Die 40 km lange Flussfahrt verbringe ich zumeist zurückgelehnt und staunend. Urwaldriesen, zahllose Vögel und sprudelnde Stromschnellen begleiten mich in Richtung Meer.

Der Fjord bleibt leider nicht so friedvoll. Starker Wind und hohe Wellen zwingen mich im Laufe des Tages zum Anlegen. Ich laufe die letzten 6km auf der Hauptstraße.

Geschafft! Bin ich. Nur gut, dass 2 Tage Starkregen angesagt sind. Da habe ich kein schlechtes Gewissen beim Ausruhen und kann gemächlich diesen Eintrag verfassen 😅